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Bauernprotest: Welche Art von Landwirtschaft wollen wir in Deutschland?

Wolfgang Baumann bei der Feldarbeit

Liebe Leute,

eine jahrzehntelange falsche Agrarpolitik, zunehmende Regulierung und erstickende Bürokratie (nicht nur in der Landwirtschaft), eine grummelnde, frustrierte Unzufriedenheit mit diesen Entwicklungen – das sind Gründe, warum auch ich am Montag nach anfänglichem Zögern mit dem Schlepper an einer der Protestaktionen teilgenommen habe.

Natürlich muss sich eine Branche, die so stark von Subventionen abhängig ist, kritisch hinterfragen lassen. Die Frage, die hinter all dem steht, ist für mich weniger, was bekommt der einzelne Betrieb oder eben nicht, sondern vielmehr, was kostet es die Gesellschaft und welche Art von Landwirtschaft wollen wir in Deutschland in Zukunft noch haben? Was wollen wir uns leisten, und was sollen die Bauern für uns leisten? Deutschland ist nun mal kostenintensiv, u.a. haben wir mit den höchsten Mindestlohn in Europa, welcher z.B. in Italien gar nicht existiert, um nur einen Faktor exemplarisch zu nennen. Aus meiner Sicht sollten Subventionen an Größe und Standards gekoppelt sein und somit eher die bäuerliche als die industrielle Landwirtschaft unterstützen. Aber das Thema ist generell hochkomplex, deswegen höre ich hier auf. Das Für und Wider wäre seitenfüllend und uferlos.

Lasst uns lieber auf das schauen, was wir zusammen tun, was wir zusammen erreichen können. Wir und unsere Lieferanten betreiben konsequenten ökologischen Anbau. Wir bemühen uns, Regionalität, Fairness und Nachhaltigkeit in unserem täglichen Handeln zu leben, statt sie nur auf unsere Produkte zu drucken. Unser Ideal wäre eine enkeltaugliche Landwirtschaft: möglichst unabhängig, nachhaltig und vor Ort in der Region verwurzelt – wie ein gesundes Ökosystem eben. Dafür stehen wir jeden Morgen auf.

Wir freuen uns über jeden, der oder die das auch erstrebenswert findet und über jegliche Unterstützung dafür. Das kann euer Einkauf bei uns genauso sein wie aufmunternde Worte oder eine Empfehlung. Vielen herzlichen Dank dafür!

Euer Wolfgang Baumann

PS: Was mir bei den aktuellen Protesten noch wichtig ist klarzustellen: Entgegen vieler Protest-Parolen sehe ich den Anfang einer schlechten Agrarpolitik nicht allein im Handeln einer aktuellen Ampel-Regierung. Der Beginn des Übels liegt Jahrzehnte zurück, die letzten politischen Entscheidungen waren einfach ungeschickt und haben nun das Fass zum Überlaufen gebracht. So zumindest meine Interpretation.

12.1.2024