Camphill Hausenhof Vogelperspektive
  Camphillgemeinschaft Hausenhof  

Camphillgemeinschaft Hausenhof

  • WO? Hausenhof, Dietersheim
  • WAS? Käse, Quark, Joghurt, Schokolade
  • ÖKO-Standard? Demeter
  • WER? Gemeinschaft

„Jeder Mensch ist mehr als seine leibliche Erscheinung! Er ist mehr als sein Körper, als seine Empfindungen, als sein gesprochenes oder ungesprochenes Wort ausdrücken.“

Dieser Satz von Dr. Karl König, Gründer der Camphill-Bewegung steht im Leitbild des Hausenhofs. Worte, die in der 1987 gegründeten Dorfgemeinschaft mehr als nur Zustimmung finden. Voller Respekt dieser Tatsache, ist es das oberste Ziel der Mitarbeitenden, die Menschen der inklusiven Lebens- und Arbeitsgemeinschaft entsprechend ihren Bedürfnissen, Fähigkeiten und individuellen Persönlichkeit zu begleiten.

Die Frage, was Inklusion nach Maßstäben des Hausenhofs bedeutet, wird nach einem kurzen Gespräch mit den Mitarbeitenden der Käserei sofort unmissverständlich klar. Verantwortlich für die (hervorragende) Qualität der angefertigten Produkte, stellen sie unabhängig voneinander die individuelle Begleitung und Einbindung der Mitarbeitenden in den Vordergrund. Körperliche Voraussetzungen finden hierbei genauso viel Berücksichtigung, wie die momentane seelische Verfassung.

Um so vielfältig wie möglich zu sein, wurden in der Camphill Gemeinschaft verschiedene Werkstätten geschaffen, in denen alle Bewohner*innen tatkräftig mitarbeiten. Darunter auch eine Käserei, die auch uns am Baumannshof mit wunderbaren Produkten mit Mehrwert versorgt.

Es ist unglaublich, was dort ausschließlich in anspruchsvoller, mühsamer Handarbeit gemeinsam mit den Dorfbewohner*innen geschaffen wird: Handgeschöpfter Käse, natürlich gesäuerter Speisequark, von Hand abgefüllter Natur- und Fruchtjoghurt. Hier wird mit Begeisterung Käsebruch gerührt, von Hand werden Walnüsse geschnitten, Gläser zugeschraubt und Molke für die eigenen Schweine abgepumpt. Kein Gemecker beim akribischen Sauber-Machen nach Produktionsende, höchstens die Gefahr, einen Wasserspritzer abzubekommen. Doch damit nicht genug. Um der Nachhaltigkeit zuliebe ein Mehrwegsystem betreiben zu können, durchlaufen die zurückgegebenen Gläser und Deckel viele Stufen des Sortierens, Reinigens und Kontrollierens, was ohne die vielen hingebungsvoll arbeitenden Hände gar nicht machbar wäre.

All die Aufmerksamkeit, die von den anleitenden Mitarbeitenden gefordert ist, um jedem Einzelnen gerecht zu werden, könnte die Qualität negativ beeinflussen? Wenn der Gedanke kommt, verwerfe ihn direkt wieder. Viele der Produkte, die am Hausenhof entstehen, haben bereits unabhängige Qualitätspreise gewonnen. Wie in jedem anderen Lebensmittelbetrieb steht eine hygienische Arbeitsweise von Anfang bis Ende absolut auf der Tagesordnung. Sowohl Annedore als auch Silke, die die Verantwortung in der Käserei tragen, haben ein umfangreiches Fachwissen sowie ein professionelles Auge. Das Thermisieren und Pasteurisieren der Milch, die Größe des Käsebruchs, das Waschen des Käsebruchs, die Zeit im Salzbad und im Reiferaum, das Bebrüten des Joghurts – alles stützt sich auf fachliche Grundlagen, die die Beiden mit der nötigen Begeisterung und Genauigkeit umsetzen. Auch Albert, Chef der Dorf-Bäckerei und Unterstützer in der Käserei, überlässt beim täglichen Wenden der Camembert- und Brie-Spezialitäten nichts dem Zufall und weiß genau, wie empfindlich die Schimmelkulturen auf Berührung reagieren.

Doch damit nicht genug. Egal ob Bäckerei, Käserei, Landwirtschaft oder Gartenwerkstatt, überall am Hausenhof wird nach biologisch-dynamischen Maßstäben gehandelt, die Teil eines umfangreichen Nachhaltigkeitsgedankens sind. Regional bezogene Milch vom nahegelegenen Demeterhof Mondel, die Demeter-Fruchtzubereitung von den Beerenbauern aus der Fränkischen Schweiz, das hofeigene Getreide zum Brot backen sowie die eigene Jungpflanzenanzucht aus Öko-Saatgut und das Demeter-Gemüse – all das trägt zur einmaligen Qualität der Endprodukte bei.

Weil treue, regionale Strukturen im Mittelpunkt stehen und auf Sonderproduktionen, die das mögliche Arbeitspensum der mitarbeitenden Dorfbewohner*innen übersteigen würden, verzichtet wird, kann es trotz allergrößter Bemühungen wegen der großen Nachfrage auch einmal passieren, dass ein Produkt ausgeht. Aber Vorfreude ist ja bekanntlich die größte Freude und bei der Qualität, lohnt sich das Warten zu 100%.

Unsere Mitarbeiterin Tina Richter hat die Mitarbeitenden in der Käserei am Hausenhof besucht.